Weil immer wieder allgemeine Fragen zu den Tieren auftauchen oder darüber, wie eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur geführt werden kann, haben wir hier für euch ein paar Infos zusammengetragen.

Wir wissen, dass es zum Thema Tierhaltung, ebenso wie zur vegetarischen oder veganen Lebensweise, immer wieder Diskussionen gibt. Es gibt leider kein “nur so geht es, alles andere ist falsch”, ebenso wenig wie es nur schwarz oder weiß gibt.

Wir brauchen nicht EINEN perfekten Menschen,

sondern VIELE unperfekte, die es versuchen!

Die meisten Tierhalter geben ihr bestes im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Das ist gut so!

Erst wenn viele andere mitgehen und umdenken, kann man noch mehr erreichen und noch mehr bewirken!

Jeder kleine Schritt zählt!


FAQ – Wissenswertes zur Landwirtschaft und Tierhaltung:

Wieso brauchen wir überhaupt Landwirte? Das sind doch die totalen Umweltverschmutzer!

Man kann nicht alle Landwirte über einen Kamm scheren. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Landwirt 20-50 Stück Vieh hat und ein paar Hektar Wiesen und Weiden bewirtschaftet und 2-3 Mal im Jahr im Einklang mit der Natur Heu erntet, oder ob ein “Landwirt” einen Betrieb mit 200 Rindern und mehr leitet, wo es nur um Leistung und Ertrag geht. Vor allem die Bio-Landwirtschaften oder Bergbauern in der ländlichen Gegend von Österreich (oder auch Deutschland, Schweiz, …) leisten viel für die Landschaftspflege. Würden Wiesen/Steilflächen nicht bewirtschaftet werden, würden sie zuwachsen und verstrauchen. Würden bäuerliche Familien ihre Wiesen/Grünflächen verkaufen, würde immer mehr Bauland zur Verfügung stehen oder ein großer Betrieb mit Massentierhaltung kann sich noch mehr ausbreiten und noch mehr Tiere halten. Eine Landwirtschaft ist also nicht per se schlecht, es ist immer die Frage, WIE sie geführt wird.

Fleisch soll plötzlich ach so schlecht sein – wie haben das bloß unsere Vorfahren geschafft?

Abgesehen von all den Studien, die mittlerweile belegen, dass dieser “moderne exzessive” Fleischkonsum die Entstehung vieler Krankheiten (u. a. Krebs) fördert, ist das Fleisch “von heute” nicht mehr mit dem von früher vergleichbar. Früher war das Tier auf der Weide oder im Stall, wurde quasi von jetzt auf gleich direkt am Hof geschlachtet und weiterverarbeitet. Das Tier war weder Stress, noch einem langen Transport ausgesetzt. Es musste auch nicht mitansehen, wie am langen Gang am Schlachthof nach und nach die Artgenossen mit dem Bolzenapparat getötet und dann aufgeschnitten werden, bis es selbst an der Reihe ist. Die Umstände haben sich für die Tiere – dank EU-Vorgaben – leider sehr geändert. Es gibt mittlerweile Berichte darüber, wie schädlich und einflussreich das Fleisch eines gestressten Tieres für den Menschen ist. Rüdiger Dahlke hat es sehr treffend formuliert: “Wir essen die Qual der Tiere mit.” (Link zum Bericht auf orf.at)

Ich esse kein Fleisch, trinke aber gerne Milch. Also unterstütze ich die Fleischindustrie nicht, oder?

Jede Kuh, die in einer konventionellen Landwirtschaft geboren wird, ist unweigerlich mit der Fleischindustrie verbunden – egal ob sie Mastkuh oder Milchkuh ist. Eine Kuh kann (ab etwa 2 Jahren) nur dann Milch geben, wenn sie trächtig war und ein Kalb geboren hat. In der konventionellen Milchindustrie wird das Kalb unmittelbar nach der Geburt der Kuh weggenommen, es kommt allein in ein “Kälber-Iglu”, wo es anfangs mit der “Biestmilch”, auch Kolostrum genannt, versorgt wird. Die Biestmilch ist reich an Eiweiß, Enzymen, Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren und Antikörpern und soll das Neugeborenen optimal versorgen. Nach etwa 5 Tagen wird die Kuh dann wieder normal mit den anderen Kühen gemolken. Das Kalb wird meist – aus finanziellen Gründen – nicht weiter mit Milch von Kühen versorgt, sondern mit speziellem Milchpulver für Kälber. Das ist billiger und der Landwirt kann mehr “richtige Milch” verkaufen.

Die Melkperiode der Kuh dauert etwa 300 Tage, dann wird sie “trocken gestellt” und sie bekommt eine Pause. In dieser Zeit ist sie jedoch bereits wieder trächtig (meist durch Besamung, seltener auf natürlichem Wege durch einen Stier). Meist dauert es zu diesem Zeitpunkt etwa 6-8 Wochen zur Geburt des nächsten Kalbes und der Kreislauf beginnt von vorn.

All diese Kälber, die also in der Milchindustrie geboren werden, verbleiben – wenn es Kalbinnen sind – in der Milchwirtschaft, oder sie landen in der Mast, zum Beispiel wenn sie sich körperlich nicht dazu eignen, eine Hochleistungskuh zu sein. Die Stiere kommen sowieso von vornherein nach wenigen Wochen oder Monaten weg – entweder werden sie – eher seltener – für die Zucht verwendet, für die Mast als Ochse (also beschnitten) oder sie kommen gleich als “Milchkalb” zum Schlachthof.

Wer also etwas von der Kuh konsumiert, unterstützt automatisch dieses Vorgehen.

Anmerkung von uns: Wir wussten von all dem, aber es war uns bis vor Kurzem nicht bewusst, wie schlimm dieser Kreislauf eigentlich ist. Es war “normal” für uns, und wir hatten einfach darauf geachtet, dass wir nur Bio-Fleisch und Bio-Milchprodukte kaufen. In diesem Kreislauf ist aber jeder ein Player – egal ob bäuerliche Familie, Bio-Landwirtschaft oder großer konventioneller Betrieb. Jeder ist ein Rädchen in diesem System.

Es gibt ja jetzt diese großen Laufställe – haben die Tiere dort nicht ein besseres Leben als angebunden im Stall?

Speziell in der biologischen Landwirtschaft gibt es strenge Vorgaben von der EU – wieviel Platz die Tiere brauchen, wieviel Auslauf, … Dazu gibt es regelmäßig unangekündigte Kontrollen. Die meisten Landwirte bemühen sich sehr, den Vorgaben so gut es geht zu entsprechen und ihre Tiere gut zu versorgen. Ob Laufställe automatisch besser sind, ist diskussionswürdig. Die Spalten am Boden, durch denen der Mist fallen kann, schadet teilweise den Gelenken der Tiere. Da Rinder im Herdenverband ebenso schwache Tiere haben wie “Anführer”, kann es auch vorkommen, dass sie bei der Fütterung, wenn nicht ausreichend Platz vorhanden ist, den kürzeren ziehen oder generell gepiesackt werden.

Infos zum Spaltenboden, vor allem auch in der Schweineindustrie, findet ihr hier >>>

Dem gegenüber steht die Anbindehaltung, bei der jedes Tier seinen Platz hat, es nicht zu Rangeleien kommt und jedes Rind in Ruhe sein Heu fressen kann. EU-Vorgaben geben (speziell im Winter in der “Nicht-Weidezeit”) vor, wie oft die Tiere mindestens Auslauf bekommen müssen. Für viele Landwirte (ebenso für uns) ist dies momentan die einzige Option, da ein Stallumbau oftmals nicht leistbar ist und wirtschaftlich unmöglich wäre.

Kann die Politik da nichts dagegen machen, damit nicht so viele Tiere transportiert werden müssen?

Die Fleischindustrie ist ein Markt, in den viel Geld fließt. Regierungen, Politiker, Organisationen, … sie alle profitieren davon. Der Einfluss ist groß! Wer den Film “Cowspiracy” (Filminfo) gesehen hat, weiß, WIE groß der Einfluss auf Regierungen und Organisationen ist.

Grundsätzlich wäre es ein Ansatz, wenn Länder den Import und Export von Lebentransporten verhindern würden. Doch das Problem wäre nicht gelöst, denn die “Frischware” am Markt durch die Milchindustrie (wie oben beschrieben: nur Milch wenn Kalb) wäre ja trotzdem vorhanden. Das Problem mit den leidvollen Tiertransporten und den Unmengen an Qualen in den Schlachthöfen wäre nur damit behoben, wenn es gar nicht erst so einen Überfluss geben würde. Denn dadurch wird ja das Fleisch erst so billig!

Die Idee für einen völlig neuen Weg wäre, jene Betriebe zu unterstützen, die bei diesem Rad nicht mehr mitmachen wollen. Jene, die sagen, wir produzieren kein Fleisch mehr, sondern wir machen nur noch die Landwirtschaft mit glücklichen Kühen, die lebenslänglich bei uns sind. DAS sollte von Seiten der Politik unterstützt werden!

Wie sieht das eigentlich bei Schweinen oder Hühnern aus?

Im Prinzip nicht anders – die Tiere werden nur geboren, um sich weiter zu reproduzieren, in der Mast zu landen oder gleich getötet zu werden (Stichwort Kükenschreddern). Jedes Tier, das gezwungen wird, trächtig zu werden / Eier zu legen, um den Nachwuchs dann wegzunehmen, kann nicht glücklich sein. Wer mit all seinem empathischen Empfinden gesehen hat, wie aufopferungsvoll sich Hühner um ihre Küken kümmern oder wie Schweine ihre Ferkel versorgen, der wird es nicht über’s Herz bringen, die Jungtiere wegzunehmen. Und wer einmal eine Kuh drei Tage lang gehört hat, wie sie nach ihrem Kalb ruft, das zum Schlachthof gebracht wurde, der wird wohl kaum ein ruhiges Gewissen haben, wenn er in sein Kalbsschnitzel beißt.

Wenn das jeder so machen würde, gäbe es ja irgendwann keine Tiere mehr. Das wäre ja auch nicht das Ziel?

Es wird nicht möglich sein, dass jeder Landwirt nur noch einen Gnadenhof hat. Das wäre Wunschdenken und nicht umsetzbar – es sollte jedoch wieder ein Umdenken stattfinden! Weg von der Massentierhaltung, weg vom exzessiven Fleischkonsum, zurück zu kleinen bäuerlichen Betrieben mit regionalen Schlachthöfen oder im Idealfall mit Hofschlachtungen oder mobilen Schlachthöfen, um wenigstens den Leidensweg der Tiere zu minimieren und die Fleischqualität zu verbessern. Leider werden solchen Visionären viele Steine in den Weg gelegt, da es mit den EU-Vorgaben nur schwer vereinbar ist.

Im Grunde würde es viel mehr bewirken, wenn jeder Mensch, der Fleisch konsumiert, auf die Herkunft achtet und nur das kauft, das auch regional und bio produziert wurde. Damit könnte man den großen einflussreichen Playern schon einen Denkzettel verpassen. Oder es werden immer mehr Menschen vegetarisch oder vegan (*Wunschdenken*) 😉

Hast du noch Fragen oder Anregungen? Schreib uns!