6 Jahre Cowboy

Als Cowboy vor sechs Jahren zur Welt kam, da wussten wir schon, dass die Tage unseres Mutterkuhbetriebes gezählt waren. Es sollte der letzte „Kälberfrühling“ sein, und dann war Schluss mit Vermehrung, Trennung und dem zu frühen Tod von Lebewesen. Cowboy hatte somit das große Los gezogen, denn als Stierkalb hätte er durschnittlich gerade mal ein Jahr zu leben gehabt und wäre ziemlich sicher in der Mast gelandet.

Seinen Namen verdankte er seinen verkürzten Sehnen an den Vorderbeinen, mit denen er zur Welt kam. Seine Beine waren dadurch gebogen wie bei einem o-beinigen Cowboy. In den Jahren davor waren all unsere Kälber, die so zur Welt gekommen waren, unsere Cowboy gewesen. Im Herbst, nach der Trennung und dem Transport zum Schlachthof bzw. dem Viehumschlagplatz, wo die Kälber weiterverkauft wurden, fragten wir uns oft, wie es dem Cowboy des aktuellen Jahres wohl gerade ging. Ob er es schon geschafft hatte (im Schlachthof) oder ob er nun ein paar Monate in einem engen Stall gemästet wurde und dann getötet.

Bei diesem Cowboy von 2020 wollten wir es anders machen. Wir wollten ein Zeichen setzen, zumal er zu seiner Mama Linda eine sehr intensive Bindung hatte. Heute, sechs Jahre später, verbringt er immer noch fast jede Minute in ihrer Nähe und er darf sogar noch bei ihr am Euter nuckeln.

Mit sechs Jahren gehört Cowboy zu den Raritäten. In der Nutztierhaltung wird kein Ochse älter als drei Jahre, denn dann käme weniger raus aus dem Tier als reininvestiert wird durch die Haltung. Auf Lebenshöfen bekommen Ochsen zum Glück die Chance, wesentlich älter werden zu dürfen und ihr Leben zu genießen und auszukosten. So wie Cowboy mit seinem Urteil Lebenslänglich.

Happy MUHday, Cowboy!