So kamen wir zu diesem Projekt:

Mein Mann ist ein “Bauernbua” durch und durch – mit Kühen und Rohmilch aufgewachsen. Einmal im Jahr wurde früher zu Zeiten seiner Großeltern eine Kuh oder ein Schwein am Hof geschlachtet. Von der Weide bis zum toten Tier vergingen kaum mehr als ein paar Minuten – völlig ohne Stress und Angst. Das war noch gutes, hoch geschätztes Fleisch, dass es nicht täglich gab.

Doch die Zeiten änderten sich. Fleisch wurde billiger, Hofschlachtungen von der EU verboten. Was folgte waren lange Transportwege zu einem Metzger oder Schlachthof. Was früher nur selten am Teller landete, war nun alltäglich geworden – Fleisch von Rind, Schwein, Pute, Huhn.

Ich selbst war ein “Stadtkind”. Fleisch gab es eigentlich immer. Es war “normal”. Es gab eigentlich bei uns beiden nie Tage, an denen wir nicht in irgendeiner Form Fleisch aßen. Vegetarier oder gar Veganer waren in unserem Umwelt äußerst selten. Eine Rarität, kann man so sagen. Und wir beide konnten mit “solchen Menschen” auch nichts anfangen, da uns diese Lebensweise fremd war.

Doch im Jänner 2020 sollte sich alles ändern …

Wir wissen beide nicht mehr ganz genau, was das Ausschlaggebende war. Waren es die Dokus und Filme, wo es darum ging, wie schlecht die Fleischindustrie für unsere Umwelt und das Klima ist? Waren es die zahlreichen Studien, die belegen, dass Fleisch das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes, Angstzuständen oder Burnout zu erkranken, um ein Vielfaches erhöht? War es der Geschmack des toten Tieres? Wir wissen es nicht mehr genau, doch es veranlasste uns, dass wir Mitte Jänner aufhörten, Fleisch zu konsumieren, und damit begannen, immer mehr auf tierische Produkte zu verzichten.

Von Fleischtiger zu fleischlos, und nun immer mehr vegan.

Einer der Hauptgründe: Die Flächen, die für die Fütterung von Tieren (speziell in der konventionellen Massentierhaltung) benötigt werden, ist um ein Vielfaches größer als jene für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln. Viele Filme/Dokus zeigen auf, wo das Problem unserer heutigen Gesellschaft mit Milliarden von Menschen liegt (Im Menü verlinken wir Filmtipps). Uns hat das ziemlich nachdenklich gemacht.

Wir sind selber betroffen und wirkten die letzten Jahre seit der Übernahme des Hofes in diesem Rad der Tierproduktion und des Tierleides mit. Wir führen eine familiäre bäuerliche Landwirtschaft, die seit Generationen in der Familie meines Mannes ist. Wir betreiben eine biologische Mutterkuhhaltung, was ja schon „tierfreundlicher“ ist, da die Kälber bei den Müttern bleiben. Nach einem halben Jahr werden sie verkauft – der Weg führt sie zum Schlachthof, in die Milchwirtschaft oder in die Mast …

Wir sind unglücklich darüber, in diesem “Rad” mitzulaufen und im Endeffekt Fleisch zu produzieren. Fleisch, das im Idealfall in Österreich weiterverarbeitet wird. Das sind die Tiere aus der biologischen Landwirtschaft, die zum Beispiel in den Babybrei-Gläsern landen. Kälber, die nach Deutschland gefahren und dort weitergemästet werden. Junge Tiere, die der Mutter entrissen und stundenlang in Europa oder noch weiter gekarrt werden, wie man erst vor kurzem in den Medien lesen und sehen konnte. Videos davon gibt es zur Genüge auf YouTube (Suchwort “Tiertransport” oder “Kälbertransport”).

Wir wollen nicht mehr mitverantwortlich sein!

Wir wollen die Landwirtschaft nicht aufgeben, da wir viel zur Landschaftspflege beitragen (Wiesen bewirtschaften, nachhaltige Forstwirtschaft, Almflächen, …) und wir dies als sehr wichtig sehen. Finanziert wird unser Leben / unsere Arbeit unter anderem durch EU-Förderungen (für den Fortbestand der Rasse pro Kalb) und im Herbst durch den Verkaufserlös der Tiere.

Wir wollen nicht aufhören, doch SO wollen wir auch nicht mehr mit bestem Gewissen mitmachen. Wir wollen nicht mehr “Fleisch/Tiere produzieren”, sondern die Kühe halten und den Betrieb führen, damit die Landwirtschaft weiter besteht. Mit finanziellen Einbußen ist dies nicht möglich. Die Politik hat für solche Fälle keine Möglichkeiten. Ein “Gnadenhof” ist kaum leistbar.

Wir beschäftigen uns im Moment viel mit dem Thema und suchen nach Lösungen, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb der Zukunft aussehen könnte. Ohne Förderung und Verkaufserlöse wird es jedoch schwierig, da es ja nur mehr Liebhaberei und Hobby wäre. Es würde viel Geld fehlen. Immerhin arbeiten Landwirte das ganze Jahr mit den Tieren und dem Betrieb (Wiesen/Weiden pflegen, Heuernte, Tiere versorgen, …).

Vor allem der Film „Cowspiracy“ macht sehr nachdenklich. Wir finden, dass es eine Möglichkeit geben sollte, dass Biobetriebe “einfach so” Kühe halten können, ohne den Fleischmarkt zu unterstützen. Das wäre ein völlig neuer Weg, der eingeschlagen werden könnte, ohne dass Flächen aufgelassen werden oder noch mehr zur Umweltverschmutzung beigetragen wird.

Noch mehr Tiere, noch mehr Fleisch,
noch mehr Getreide, noch mehr Futter, noch mehr Wasserverschmutzung, …

Warum dem nicht mit einem völlig neuen, modernen Ansatz entgegenwirken??