Almupdate 10. August 2020

Heute gibt es nicht nur das Almupdate, sondern noch zwei Themen – einmal über den Tod auf der Alm und dann noch über Naturgewalten. Doch zuallererst einmal zu den Tieren: Man merkt man langsam, dass der Sommer sich dem Ende neigt. Während anderswo Hochsommer ist und die Menschen unter der Hitze leiden, wird es nachts auf der Alm schon spürbar kühler. Am Morgen braucht die Sonne schon etwas länger, ehe sie hinter den Bergen aufgeht. Und es macht sich in der Vegetation bemerkbar – das Gras wird schon brauner, die Kühe steigen deshalb immer höher hinauf, um noch unberührte Flächen zu finden.

Ab August ist auch die Zeit, wo man schon aufpassen muss, dass sie nicht im Zaun irgendwo ein Schlupfloch finden und zur Nachbaralm hinübergehen. Woanders ist es ja bekanntlich immer saftiger und grüner! Aus diesem Grund haben wir bei den GPS-Trackern einen virtuellen Zaun erstellt. So bekommen wir eine Nachricht am Handy, wenn die Kühe das Almgebiet verlassen. Letztes Jahr mussten wir einmal ziemlich suchen, bis wir die Kühe bei den Nachbar gefunden hatten! Das Zurücktreiben durch steiles Gelände (vorzugsweise nass, kalt und rutschig, denn typischerweise passiert dies nur an den grauslichsten Tagen des Sommers) ist dann nicht sehr prickelnd. Heuer hoffen wir, dass uns das dank Technik erspart bleibt!

So, und nun ein paar Bilder vom Sonnenaufgang bei den Kühen, die an diesem Hang noch frischen Klee gefunden haben. Runterscrollen, dann geht’s mit “Tod auf der Alm” weiter.

An diesem Steilhang waren die Kühe am Morgen bei Sonnenaufgang zu finden. Der Gipfel dieses Berges liegt auf ca 2.300 m.

Tod auf der Alm

Vor kurzem hat jemand gefragt, ob auf der Alm auch was passieren kann. Die Antwort ist einfach: überall kann etwas passieren – im Stall, auf der Weide und auch auf der Alm. Vor allem, wenn es steiles schroffes Gelände und Felsspalten gibt. Da kann es auch vorkommen, dass eine Kuh mal stürzt, in eine Felspalte tritt oder wo abrutscht.

Vor ein paar Jahren war es der Fall, dass eine Kalbin (junge Kuh noch ohne eigenem Kalb) im steilen Gelände abgestürzt ist und dann starb. Eine Bergung war nicht möglich, also musste der Amtstierarzt gerufen werden, der sich das vor Ort ansieht. Wenn der das OK gibt, dann darf der Kadaver mit Steinen abgedeckt werden. Den Rest macht dann die Natur und diverse Aasfresser. Übrig bleibt ein kleiner Steinhügel mit Knochen, den wir heute besucht hatten.

Was kann sonst noch passieren? Letztes Jahr wurde ein Kalb auf unserer Alm (von einem anderen Bauern, nicht unseres) von einem Blitz getroffen. Das kam bisher noch nie vor. Wir konnten es mit dem Quad dann zum Weg ziehen, wo es von der Tierkörperverwertung abgeholt wurde. Es ist kein schöner Anblick, vor allem nicht im warmen Sommer, aber es gehört zum Leben eines Landwirts dazu, auch mit Tod und unschöneren Dingen konfrontiert zu werden.

Das ist Leben. Leben ist lebensgefährlich.

Naturgewalten in den Bergen

Bestimmt hast du schon davon gehört, dass man Unwetter in den Bergen möglichst meiden oder rasch sicheren Schutz aufsuchen sollte. Gewitter können schneller aufziehen, als man glaubt, und auch Unwetter können heftig ausfallen. Bei Starkregen werden kleine Rinnsale zu Bächen, und im Extremfall zu reißenden Gerölllawinen!

Vor drei Jahren (August 2017) hatten wir über zwei Tage einen extremen Starkregen in der Region. Ein kleiner Fluss, der im Tal in der Nähe der Alm Richtung unseres Heimatortes fließt, wurde zu einem reißenden Ungetüm, das alles mitriss, was ihm im Weg war – Baucontainer, Brücken und sogar ein Baukran wurden sein Opfer. Wir hörten dann, dass auf dem Weg zu unserer Alm eine Bundesstraße teils weggerissen worden war und der Forstweg zur Alm war ebenfalls stark beschädigt.

Als wir dann nach ein paar Tagen auf die Alm fahren konnten, offenbarte sich die Naturgewalt erst so richtig, die sich da entfesselt hatte! Vom Berg waren Wassermassen auf unsere Alm geflossen und hatten sich in einer Rinne zu einer Gerölllawine entwickelt. Ich denke, die Bilder sprechen für sich:

Wo vormals eine wunderbar grüne Almweide war, war alles mit Geröll und Steinen bedeckt, weiter unten beim Ausläufer bedeckte eine Schicht kleiner Steine und Sand die Wiese. Den Kühen war zum Glück nichts passiert, doch es wird viele Jahre dauern, bis hier wieder eine schöne Weidefläche ist.

Bei unserem heutigen Besuch waren wir zum ersten Mal ganz oben beim Beginn der Schneise und es ist extrem beeindruckend, wie tief die Rinne ist, die das Wasser mit den Steinen hier nach unten gegraben hat! Die Bilder können diese kraftvollen Eindrücke gar nicht vermitteln, doch zumindest eine Ahnung davon geben, dass die Natur immer stärker sein wird als wir!

Wir können die Umwelt zerstören, die Tiere töten, uns selbst krank machen, bekriegen und umbringen – die Natur wird uns trotz alle dem überdauern, denn sie hat etwas, was für uns begrenzt ist: ZEIT!

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