Vom Nutztier über Lebenshof zur Permakultur??

Seit unserer Umstellung im letzten Jahr hat sich nicht nur für die Tiere hier viel getan, sondern auch bei uns als Menschen. Ein plastikreduziertes nachhaltiges Leben war uns vorher schon wichtig, doch in der Landwirtschaft selbst lief es bisher eher schlicht und geradlinig ab. Wir brachten den Dung der Kühe auf die Wiesen, mähten die Wiesen und machten Heu. Das war es. Anbau von Obst und Gemüse lag bisher nicht in unserem Fokus und auch das Gärtnern war nicht unseres.

Doch mit Lebenslänglich änderte sich nicht nur das Leben der Kühe, sondern auch unsere Wahrnehmung der Natur und Umwelt gegenüber. Wir interessieren uns mehr dafür, selbst Nahrungsmittel anzubauen und denken über Selbstversorgung nach. Letztes Jahr im Sommer waren wir deshalb im Salzburger Lungau beim “Permakultur-König” Sepp Holzer, der schon einige Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hat und auf 1.000-1.500 m erfolgreich über Jahrzehnte die Permakultur in den Bergen entwickelt hat. Wir fanden die Führung von seinem Sohn Josef, der mittlerweile den Hof übernommen hat, äußerst spannend und bereichernd, zumal wir ja auch Flächen in Hanglage haben. Unser Hof liegt auf 950 m, die oberen Wiesen und Wälder auf bis zu 1.200 m. Ein paar davon werden nicht genutzt und höchstens 1x jährlich gemulcht – wäre es nicht großartig, diese im Einklang mit der Natur zu bewirtschaften? Zonen für (Wild)Tiere zu schaffen und gleichzeitig einen Nutzen daraus zu haben?

In den letzten Wochen belesen wir uns wieder vermehrt zu diesem Thema, ich folge Seiten auf Instagram über Permakultur und Selbstversorgung und mache mir viele Gedanken. Wir haben beschlossen, Schritt für Schritt die Ideen der Permakultur in unsere Landwirtschaft einfließen zu lassen. Nach und nach wollen wir Flächen, die vorhanden sind, jedoch nicht genutzt werden, in naturnahe sinnvolle Bereiche umwandeln.

Gerne möchte ich hier ein paar Dinge zeigen, die wir nun umgesetzt haben. Wir wissen, dass wir nicht von heute auf morgen alles perfekt naturnah und nachhaltig bewirtschaften oder renaturieren können, doch Schritt für Schritt wollen wir uns in dieses Thema einarbeiten und Erfahrungen sammeln. So können wir in den nächsten Jahren bestimmt schon einiges erreichen!

Schritt für Schritt zum naturnahen Glück!

First step: Plan zeichnen!

Nichts geht über einen guten Plan! Und was gibt es schöneres, als von wunderbaren Dingen zu träumen?! Deshalb war der erste Schritt, vom Luftbild des Hofes einen Plan zu entwerfen – der erste Plan zeigt, wie der Ist-Zustand am Hof ist. Der zweite, was gerade nach und nach umgesetzt wird. Und der dritte – mein persönlicher Lieblingsplan und mein “vision board” – zeigt, wie es einmal aussehen wird!

Am ersten Plan kristallisieren sich nach und nach Bereiche heraus, die nicht wirklich genutzt werden. Für 2021 haben wir deshalb geplant, diese Flächen / Flecken zuerst nutzbar zu machen oder sinnvoll der Natur und den Wildtieren / Insekten zurückzugeben. Wir sehen das alles als Lernprozess, als Schule. Bestimmt gibt es auch Misserfolge, doch so wie beim Lebenshof werden die positiven Dinge überwiegen! Wir freuen uns darauf!

Wildbienenhotel

Beim Stall an einer südseitigen Wand gibt es einen Platz, der seit vielen Jahren nicht genutzt wird. Er dient maximal als Lagerort für ungenutzte Dinge. Wir haben dort unter dem Kirschbaum nun alles weggeräumt und aus einer alten Kommode ein Wildbienenhotel gemacht. Die Materialien waren alle vorhanden – Kommode, Stöcke, Stämme. Um die neuen Bewohner vor Vögel und Hühner zu schützen, wurde ein Gitter angebracht. Davor ist ein Behälter, in den bei Regen vom schrägen Dach Wasser fließen kann. Damit kein Insekt dort ertrinkt, sind Steine reingelegt worden.

Da unsere Hühner sehr gerne Erdflächen zum Buddeln und Sonnenbaden nutzen, füllten wir die Fläche noch mit Steinen auf und pflanzten bienenfreundliche Blumen. Keine Angst, die Hüher haben hinter unserem Haus einen großen Bereich zum Erdbaden!

Neben dem Wildbienenhotel steht nun ein kleiner Holzstapel, der locker geschichtet ist. Dort dürfen sich Insekten verkriechen und Unterschlupf finden.

Ohrenkneifer gehörten bisher nicht zu den Lieblingstieren von uns LandVirten. Doch sie sind ungemein nützlich, wie ich las! Sie fressen Ungeziefer, z. B. Blattläuse! Jedoch sollten sie nicht beim Wildbienenhotel extra angelockt werden, da sie dort sonst den Nachwuchs der Bienen fressen. Deshalb habe ich eine alte kleine Milchkanne mit Stroh gefüllt und beim Haus in der Nähe des Apfelbaumes beim Berglavendel deponiert. Dort dürfen nicht die Ohrenkneifer einziehen, sich vermehren und ausgiebigst Ungeziefer fressen!

Kräuterspirale und Hochbeet

Gärtnern gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin froh, wenn die Zimmerpflanzen im Haus alle überleben – wer mit 1x wöchentlich Gießen nicht zufrieden ist, der wird wohl nicht lange hier überleben. Deshalb lag ein Garten nie in meinem Fokus, außerdem hatte ich keine Lust zum Unkrautjäten, Rumzupfen oder Bewässern. Doch mit der Permakultur taten sich ungeahnte Möglichkeiten auf! Bei richtiger Umsetzung ist es möglich, Gemüse, Obst und Kräuter zu ernten, ohne ewig viel Arbeit investieren zu müssen! Das ist ganz nach unserem Geschmack!

Ganz ohne Arbeit gehts selbstverständlich nicht, doch langsam finde ich Gefallen daran, das Hochbeet zu bepflanzen, zu gießen und zu schauen, was da so wächst. Außerdem habe ich eine Kräuterspirale gekauft, die ich mit Petersilie, Rucola, Vogerlsalat, Winterportulak und Spinat bepflanzt habe. Der Erfolg ist sofort da – es gibt nichts besseres, als zum Mittagessen eine Handvoll frische Kräuter essen zu können!

In diesem Jahr wollen wir auch vermehrt auf Wildkräuter zurückgreifen – deshalb gibts nun zum Salat oder ins Essen Brennessel, Löwenzahn und Spitzwegerich. Je nach Jahreszeit und Wachstum kommen dann weitere dazu. Wir freuen uns sehr darauf, die vielen tollen Kräuter und Gemüse nun in unsere Ernährung integrieren zu können!

Kartoffeln im Traktorreifen

Letztes Jahr versuchte ich bereit Kartoffeln in Kübeln, doch der Ertrag war eher mäßig. In einem tollen Selbstversorgerbuch, in dem viele Ideen zum Up- und Recycling geliefert werden, wird der Anbau von Kartoffeln im Turm aus alten Reifen vorgestellt. Das klingt ja toll!

Man beginnt mit einem Reifen, füllt den Boden mit Erde/Stroh/Humus und Kartoffeln auf, und je weiter die Pflanzen dann in die Höhe wachsen, desto höher baut man dann den Reifenturm. Klingt super und einfach!

Alte Traktorreifen haben wir genug. Also haben wir nun mit dem ersten begonnen und warten darauf, bis die Kartoffeln austreiben und wachsen. Dann gehts bis zu drei Reifen hoch. Wir sind sehr gespannt!

Mulchen mit altem Heu

Neben Kuhmist haben wir auch einiges altes Heu, das sich über den Winter so ansammelt. Bisher haben wir mit Kuhmist die Wiesen gedüngt und das Heu, das die Kühe übrig lassen, da zu grob, schimmelig oder einfach nicht gut schmeckend, entsorgt. Zum Düngen kann man das Heu auf den Wiesen nicht verwenden, da es sich nicht gut verteilt, zum Teil Steine, Erde und Holz dabei sind und weil es das Gras zu sehr abdeckt und es darunter dann abstirbt. Doch in der Permakultur wird es rege verwendet!

In einem Buch habe ich nun gelesen, dass man Hügelbeete oder generell Beete anlegen kann, indem man Heu ausbringt. Doch die dichte Schicht stirbt das Gras und Unkraut darunter ab, die Bodenorganismen und Würmer können arbeiten und das Gras und Heu von unten zersetzen. Dadurch entsteht Humus. Wenn man dann etwas einpflanzen möchte, schiebt man das Heut etwas beiseite, setzt das Pflänzchen ein und schließt darum herum wieder die Heuschicht. So ist die Pflanze mit gutem Nährboden versorgt und gleichzeit vor dem Austrocken geschützt, da der Boden darunter feucht bleibt. Was für ein geniales Konzept!

So startete ich los, holte zwei Scheibtruhen voll Heu und brachte es auf erste Beete auf – beim Lavendel, bei der Kräuterspirale und ein wenig im Hochbeet. Mal schauen, wie das wird!

Kompostieren

Noch eine Ressource, die wir bisher verschwendet haben – Kompost! Wir haben zwar beim Stall neben dem Misthaufen einen “Komposthaufen”, wo das alte Heu und unser Biomüll hingekommen ist, doch 1x jährlich wurde das nur weggebracht, ohne daraus einen Nutzen zu haben. Was für eine Verschwendung! Doch nun werden wir uns auch in die Kompostierung reinfuchsen, denn warum Pflanz- oder Blumenerde kaufen, wenn man sie selber hätte??

Wieder kam hier eines der Bücher zur Hilfe – Kompostierung in Tonnen. Das klingt super! Wir haben dazu eine Regentonne einfach umgedreht, oben ausgeschnitten zum Einwerfen und fertig. Da wird nun der erste Durchgang gestartet, wenn es klappt, folgen noch weitere Tonnen. Rein kommen kleine Äste, etwas altes Heu, Grasschnitt und Küchenabfälle. Wir sind gespannt!

Pilzzucht

Also, ich hab ja nichts gegen Pilze und Schwammerl (die direkt bei uns im Wald oder auf der Alm wachsen), im Gegenteil, ich find z. B. gebackene Steinpilze oder eine Eierschwammerlsoße sehr gut, doch den Rest der Familie kann ich davon nicht begeistern. Doch Kräuterseitlinge sind geschmacksneutraler und zudem sehr gesund. Deshalb habe ich im Internet eine Kultur gekauft, um selbst welche ziehen zu können.

Ich habe dafür einen Platz draußen gewählt an einer nordseitigen Mauer, wo nie Sonne hinkommt und es immer feucht ist. Nach einer Woche tut sich nun schon langsam was in der Tüte und man darf gespannt sein, wie reich die Ernte in den nächsten Monaten sein wird!


So tut sich hier einiges. Die Liste wird hoffentlich noch viel länger! Wir sind gespannt!

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